Die andere Seite der Shar Pei Zucht

Vorstellungen

Wenn der durchschnittliche Hundehalter an einen Züchter denkt, hat er sicherlich direkt Bilder im Kopf von einem Züchter, inmitten einer wuseligen, fröhlichen Welpenschaar. Ein lächelnder Züchter, der immer bereitwillig alle aufkommenden Fragen beantwortet, der Besuch willkommen heisst und sich nicht nur um seine Hunde und Welpen, sondern auch um die Interessenten für seine Welpen kümmert. 

Andere denken an das ganze Geld, was ein Züchter mit einem Wurf verdient und das ein Rassehund nicht so teuer sein sollte, denn was hat ein Züchter denn überhaupt geleistet.

Interessenten

Bevor wir uns mit einem Interessenten treffen haben wir schon zahlreiche Stunden damit verbracht eine Vorauswahl zu treffen an Menschen, die für uns als zukünftige Besitzer überhaupt infrage kommen. Je höher der Anspruch eines Züchters an die zukünftigen Besitzer eines seiner Welpen, desto mehr Zeit wurde investiert. 

Puppy
Welpe in China

Da die Shar Pei Welt im Vergleich zu anderen Rassen recht klein ist, fragen wir auch bei anderen Züchtern nach, ob sie den Interessenten kennen und vielleicht Informationen haben, die wichtig sind in unserem Entscheidungsprozess. 

Von dieser Seite unserer Arbeit bekommt keiner etwas mit und kaum einer weiss, wieviel Zeit wir für diesen Teil unserer Arbeit aufwenden. Dieser Prozess findet bei vielen Züchtern schon in der Phase der theoretischen Wurfplanung statt, den sind die Welpen erst einmal auf der Welt, hat man dafür kaum noch Zeit, denn für zwei bis vier Monate hat der Züchter einen 24 Stunden Job. Denn eine optimale Sozialisation der Welpen kostet viel Zeit, schon ab dem ersten Tag nach der Geburt. Neben der zeitintensiven Versorgung der Welpen, brauchen natürlich auch die erwachsenen Hunde ihre normalen Spaziergänge und Zuwendungen. 

Zuchtauswahl

Die für die meisten Hundehalter aber gänzlich unbekannte Seite der Rassehundezucht fängt aber schon viele Monate vor der Geburt der Welpen an. 

Die Auswahl der Eltern. In den meisten Fällen hat ein Züchter keinen passenden Rüden im eigenen Haushalt leben, oder es gab schon einen Wurf mit diesem Rüden. Auch wenn der Rüde schon bei anderen Hündinnen öfters eingesetzt wurde, sollte er ausgeschlossen werden, will man nicht auf ein „popular sire Syndrom“ hinarbeiten, was genetisch gesehen ein echtes Problem in der Rassehundezucht ist. 

Puppies
Welpen in China

Also fängt der Züchter an sich umzusehen nach kompatiblen Rüden. Dieser Prozess kann sehr zeitaufwendig sein, denn man studiert die Stammbäume, um den Inzuchtkoeffizient so gering wie möglich, den Ahnenverlustkoeffizienten jedoch so hoch wie möglich zu halten. Man kontaktiert die Besitzer der potentiellen Rüden, in den meisten Fällen ebenfalls Züchter, und schaut sich nicht nur die Gesundheitstests des Rüden, sondern auch die seiner Eltern, Geschwister der Eltern und Wurfgeschwister an. Bis man so den wirklich optimal passenden Rüden gefunden hat, vergehen schon mal gerne ein paar Monate intensiver Recherche. 

Anspruch

Und auch hier gilt, je höher der eigene Anspruch, desto länger und intensiver muss recherchiert werden. Und gerade bei „unserer“ Rasse, dem Shar Pei, ist eine so intensive Vorarbeit so wichtig, denn welcher verantwortungsbewusste Züchter möchte nicht alles mögliche tun, um nicht zu den vielseitigen rassetypischen Erkrankungen beizutragen. 

Es ist nicht nur wichtig das die potentiellen Rüden (wie auch die eigene Hündin) auf CNV und PAOG/Pll getestet sind und auf HD, ED und Patella Luxation geröntgt und fachmännisch ausgewertet wurden, die Ergebnisse dieser Untersuchungen müssen mit dem eigenen Zuchtstandard übereinstimmen. 

Auch das Aussehen des Rüden spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Vom züchterischen Anspruch gibt es keine perfekten Hunde und auch wenn wir unsere Hunde alle lieben, müssen gerade wir sehr kritisch unsere eigenen Hunde betrachten. Hat mein Hund z.B. einen nicht so schönen Rutenansatz, sollte das beim Rüden anders sein. Hat der Rüde z.B. ein inkorrektes Fell, so sollte die Hündin ein korrektes Fell haben. 

Huang Zhuhua
Züchter in China

So vergehen Monate und wenn man Glück hat, hat man am Ende den passenden Rüden gefunden. 

Aber nur mit der Auswahl des Wunschrüden ist es nicht getan. In den meisten Fällen liegen hunderte, manchmal sogar tausende Kilometer zwischen den beiden Hunden.  Während man auf die Läufigkeit der Hündin wartet, bereitet man schonmal grob die Reise vor, spricht mit dem Besitzer des Rüden das weitere Vorgehen grob ab, denn es muss auf zwei Seiten passen. 

Deckung

Irgendwann ist dann der Tag da an dem die eigene Hündin läufig wird und man freut sich und kann seine Pläne etwas konkretisieren. Nach 3-4 Tagen macht man beim Tierarzt einen Progesteron Test und wiederholt diesen alle zwei Tage um den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Und in den besten Fällen fährt man dann zu dem Wunschrüden, die Hunde lernen sich kennen, und wenn der richtige Zeitpunkt da ist, wird der Rüde seinem Instinkt folgen. Ein paar Wochen nach dem Decktermin wird es nochmal sehr aufregend, an dem Tag wenn das erste Ultraschall gemacht wird und man grob weiss, wie viele kleine Welpen bald schon mit dem glücklichen Züchter herumwuseln und ihre neuen Besitzer erfreuen werden.

Die Natur geht manchmal ihre eigenen Wege

Aber manchmal läuft nicht immer alles perfekt. Und ab jetzt wird dieser Beitrag etwas persönlich. Und dies ist eine weitere Seite der Zucht, die viele Züchter kennen, kaum darüber sprechen und von der die meisten Hundebesitzer nichts wissen. 

Olmo
Olmo Del Peodoro

Viele wissen, wie lange ich jetzt schon darauf warte meinen Rüden aus China zu holen und das es lange nicht möglich war, aufgrund der Covid Situation, der Reise Restriktionen und vieler Einschränkungen von Fluggesellschaften. 

Da ich hier etwas weiter warten muss habe ich vor Monaten den sehr zeitintensiven Prozess begonnen nach einem Rüden in Europa zu suchen, der meinen Ansprüchen genügt. Und ja, je höher die eigenen Ansprüche, desto geringer die Auswahl. Ich suchte nach einem Rüden, der optisch meinen Ansprüchen entspricht, der CNV 2 getestet ist und PAOG/Pll frei ist. Glücklicherweise ist seine Züchterin und Besitzerin eine liebe Freundin, die nur 330 km weit weg wohnt und uns nur eine Grenze trennt. 

Und als Diting dann läufig wurde, haben wir beide aufgeregt auf jedes Progesteron Test Ergebnis gewartet. Diting war diesbezüglich sehr langsam und viele Tests waren notwendig. Dazu die Covid Reisebeschränkungen, ein nötiger negativer Covid Test. Endlich am Zielort angekommen dann die grosse Spannung, werden sich die Hunde überhaupt mögen? Und ja, sie fanden sich toll und haben erstmal miteinander gespielt. Vor Ort haben wir jeden Tag einen weiteren Progesteron Test gemacht um zu wissen wann es wirklich soweit sein wird. Und theoretisch war alles perfekt. 

Aber die Natur spielt eben manchmal ihr eigenes Spiel. Und ausser spielen haben unsere Hunde nur halbherzige Versuche unternommen. Ja, es gibt sicher Züchter, die nötigen eine Verpaarung, aber das hätten wir beide unseren Hunden nicht angetan. 

Trauer und Hoffnung

Diting
Olmo und Diting spielend

Und auf der langen Autofahrt nach Hause ist man natürlich traurig. Aber nicht, weil man in den nächsten Wochen nicht der glücklich lächelnde Züchter inmitten einer wuseligen, fröhlichen Welpenschaar ist, sondern weil man ganz tolle Menschen ausgesucht hat, die seit Wochen mitfiebern und sich so sehnlichst einen Welpen von mir wünschen. Und jetzt muss ich diesen tollen Menschen sagen, das es bei dieser Läufigkeit leider nicht geklappt hat. 

Ich weiss, das 5-6 Monate bis zur nächsten Läufigkeit nicht so lange ist, aber kurzfristig werde ich ein paar tolle Menschen jetzt traurig machen. Etwas, was ich nicht gerne mache, denn eigentlich will man als Züchter doch auch Menschen glücklich machen mit einem gesunden kleinen Welpen, der die optimalen Voraussetzungen für ein tolles, langes Hundeleben hat.

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