Interview mit Alexandra Gabrisch

Alexandra Gabrisch, 49 Jahre alt, ist eine deutsche Shar Pei Züchterin. Sie züchtet ihre Hunde in dem von der FCI geschützten Kennel "GaTe's Dynastie Shar Pei". Neben ihrer Familie und ihren Hunden interessiert sie sich u.a. sehr für Genetik und unterstützt seit Jahren die wissenschaftliche Forschung am Shar Pei.

 

Alexandra, wie bist du "auf den Hund gekommen" und woher stammt dein Interesse an Genetik?

Die große Begeisterung für Tiere jeglicher Art hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben. In meiner Kindheit war ich stets von Familienhunden umgeben, die mit der Größe unseres Heims und unserer Gartenfläche auch an Größe zunahmen. Unsere ersten Hunde waren 2 Chihuahua, gefolgt von Boxern, Bullmastiff und Carne Corso. Ich wurde ein großer Fan von molossoiden Rassen. Unsere Urlaube verbrauchten wir oft mit Campen in freier Natur. 

Alexandra Garbisch
1976

Da in den 70er Jahren das Fernsehprogramm sehr eingeschränkt war und Social Media nicht einmal im entferntesten Gedanken eine Rolle spielte, freute ich mich immer sehr auf die Tierdokumentationen von Heinz Sielmann und Prof. Bernhard Grzimek. Diese Zeit galt mir und meinen Vater.

Unser Tierbestand wuchs. Und da wir keine Löwen und Tiger von einem anderen Kontinent einführen konnten, einigten wir uns auf die Anschaffung von Wellensittichen und Nymphensittichen. Wir hielten auch Hühner, Enten und Gänse. Mein Bruder und ich waren in die Pflege der Tiere, Fütterung und natürlich auch Sauberhaltung eingebunden. Ich erinnere mich noch gut daran, was uns alles einfiel, um den jeweils anderen die schönere Arbeit abzuschwatzen.

Ich lernte durch das Hobby meines Vaters die Mendelschen-Regeln und weitere Grundsätze der Genetik in der Zucht von Vögeln kennen. Im Alter von 13 Jahren durfte ich die Zucht seiner Wellensittiche übernehmen. Dies waren meine ersten Berührungspunkte mit Zuchtaktivitäten.

Mein Interesse an Genetik entstand schon sehr früh. Noch heute interessiere ich mich sehr für diesen Bereich, sowohl für die Tier- als auch Humangenetik. Weitere Interessen liegen im schulmedizinischen Bereich aber auch ergänzend dazu in der alternativen Medizin und alternativen Heilmethoden. Grundsätzlich bin ich für viele dieser Dinge offen, hinterfrage sie aber teilweise sehr kritisch. Ja, ich weiß, das kann für den ein- oder andern manchmal sehr anstrengend sein. :)

Alexandra Garbisch
Shar Pei aus Filz

Neben meiner Familie, guten Freunden, meinen Hunden und meinem Beruf interessiere ich mich in meiner Freizeit für die Umsetzung jegliche DIY-Ideen. z.B. Filzfiguren, Halsbänder, Kreationen aus Beton. Ich mag es diese Dinge herzustellen, dabei abzuschalten und diese als spontane Überraschung an Familie und gute Freunde zu verschenken - auch , wenn ich manchmal Gefahr laufen muss, dass diese nicht gefallen.

Heute lebe ich mit meiner Familie im Norden Deutschlands, in der Nähe von Hannover. Unsere Kinder sind mittlerweile 18 Jahre und 12 Jahre alt. Sie helfen gern und tatsächlich freiwillig bei der Aufzucht unserer Welpen, kümmern sich aber auch um unsere erwachsenen Hunde. Von Zeit zu Zeit begleiten sie mich zu Ausstellungen und nutzen die Gelegenheit, wenn immer möglich, mit einem unserer Hunde selbst im Ring zu stehen.

Alexandra Gabrisch

Wie lange züchtest du schon?

Alexandra Gabrisch
GaTe's Dynastie  Nachzuchten

Ich bin Züchter seit 12 Jahren und führe meine Shar Pei Zucht in Deutschland unter dem FCI geschützten Zwingernamen GaTe's Dynastie Shar Pei.

Unser erster Wurf wurde Anfang 2011 unter dem ältesten deutschen "Rassehunde-Gemischt-Verein" VRZ e.V. geboren. Seit dem 01.10.2011 sind wir Mitglieder im 1. Deutschen SharPei Club e.V.. Wir führten unsere Zucht in diesem Verein von 2011 bis 2017 fort. In dieser Zeit hatten wir 3 Würfe.

Alexandra Gabrisch
Veteran Kanshou, 1. Generation

Zum 01.01.2017 haben wir unsere Zucht in den Club für exotische Rassehunde verlegt, blieben aber auch Mitglied im 1. Deutschen Shar Pei Club. In der Zeit von 2017 bis 2021 fielen 2 Würfe.

Alexandra Gabrisch
Buffy, Veteranin, 1. Generation

Sowohl der 1. Deutsche Shar Pei Club, als auch der Club für exotische Rassehunde sind dem Verband für das Deutsche Hundewesen, VDH e.V. (FCI), angeschlossen und betreuen die Rasse Shar Pei.

Für die Planung und Auswahl einer Verpaarung nehmen wir uns sehr viel Zeit. Wir planen nur einen Wurf, wenn dieser 100%ig zeitlich in unser Familien- und Arbeitsleben passt. Unsere Hunde leben mit uns in unserem Haus. Unsere Welpen werden von Geburt an in unseren Familienalltag integriert. In Bezug auf unsere eigene Zucht befinden wir uns derzeit in der 3. Generation. Unsere Stammhunde aus der 1. Generation, beides USA-Importe, sind derzeit 11 und 12 Jahre alt. Unser Rüde der 3. Generation ist 1,5 Jahre alt.

Alexandra Gabisch
Baghira, 2. Generation

Ich bin langjähriges Mitglied im Verein "Gesellschaft zur Förderung Kynologischer Forschung e.V." (gkf)

Alexandra Garbisch
Flash, 3. Generation

Seit 08.2019 bin ich ebenfalls Mitglied der "European Federation of Shar Pei Clubs" (EFSPC). Mir gefallen die Absichten des EFSPC und ich hoffe, dass ich als Mitglied etwas zur Verwirklichung beitragen kann.

 

Was gefällt Dir an der Rasse am meisten?

Ihr Erscheinungsbild und der Charakter.

Alexandra Gabrisch
Barney, 6 Jahre alt

Ich mag besonders das anmutig wirkende Erscheinungsbild vieler horse coat Shar Pei des sportlichen Typs. Bei diesen bevorzuge ich zudem klar definierte Köpfe mit schönen Augen. Da Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt, habe ich Fotos eingefügt, um meiner Beschreibung Lebendigkeit zu verleihen.

Und einige werden jetzt vermutlich erstaunt sein: ich liebe genau diese Exemplare in der Farbe schwarz!

Alexandra Gabrisch
Dexter 6 Jahre alt

Mir gefällt auch sehr der besondere und eigentümliche Charakter des Shar Pei. Ich schätze seine grundsätzliche Zurückhaltung und abwartende Haltung gegenüber Fremden, seine überwiegend ruhige und ausgeglichene Art.

Der Shar Pei hat aufgrund dieser Eigenschaft einen tollen Umgang mit Kindern. Ich habe schon oft erlebt, wenn unsere Kinder Besuch hatten, dass auch die Kinder, die ängstlich waren oder keine Erfahrung mit Hunden hatten, schnell Vertrauen zu unseren Hunden schlossen.

Mir gefällt ihre selbstbewusste Art, auch wenn sie mich manchmal zum verzweifeln bringt.

Wie und wann hat deine persönliche Geschichte mit dem Shar Pei angefangen?

Das erste Mal begegnete mir der Shar Pei, als seltenste Hunderasse der Welt, im Alter von 6 Jahren auf Bildern im Guinness Buch der Rekorde, welches mein Bruder zu Weihnachten geschenkt bekam.

Ich war fasziniert!

Meine erste persönlich Begegnung mit einem Shar Pei hatte ich allerdings sehr viel später im Jahr 1998 auf einer Hundeausstellung in Hannover. Ich sah einen wunderschönen horse coat Shar Pei. Dieser gehörte einer der ältesten Züchterinnen in Deutschland.

Alexandra Garbisch
Sumo

Wir kamen mit ihr ins Gespräch und wurden von ihr zu einem privaten Treffen ihrer Nachzucht eingeladen. Wir waren bei dem Treffen von ihren Hunden sehr angetan und ließen uns für einen Welpen aus ihrer Zucht auf eine Warteliste setzen. Aber durch verschiedene Umstände sollte unser Weg vorerst ein anderer sein....

Alexandra Garbisch
Chaly

Erst 9 Jahre später zogen in 2007 unsere ersten Shar Pei bei uns ein - Sumo und Chaly. Sumo stammte aus einer Hobbyzucht. Seine Mutter kam aus Rußland ohne Ahnentafelnachweis und sein Vater kam aus einer großen deutschen Zucht mit Ahnentafelnachweis. Leider verstarb Sumo sehr früh im Alter von 3 Jahren und zeigte uns durch seine zahlreichen und rassetypischen Erkrankungen erstmalig auf, was diese Krankheiten wirklich bedeuten. Sumo litt u.a. an einem Entropium, einer Rolllippe, an wiederkehrende Fieberschübenmit geschwollenen Gelenken.

Chaly stammte von einem bekannten niederländischen Züchter. Seine Geschichte war der Auslöser für die SPAID-Forschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Wie es dazu kam, habe ich in der 6. Frage des Interviews ausführlicher beantwortet.

Sumo und Chaly waren nie in der Zucht. Zu dem Zeitpunkt, als die beiden zu uns kamen, hatte ich über eine Hundezucht noch nie nachgedacht. Letztendlich war das Schicksal der beiden und die daraus resultierenden, intensiven Recherchen über die Rasse mit Sicherheit ein entscheidender Anstoß für meinen Zuchtgedanken. Dass es nicht einfach werden würde, war mir bewusst.

Kannst Du uns etwas über die Geschichte des Shar Pei in Deutschland erzählen?

Ja, das könnte ich. Aber an dieser Stelle möchte ich gern vorschlagen, die ältesten Züchter aus Deutschland, wie Frau Reinelt Gebauer und Frau Isolde Kohle-Brusis zu befragen. Dies ist für mich als deutscher Züchter eine Sache der Anerkennung und des Respekts.

Gesundheit ist eines der wichtigsten Themen in der Rassezucht. Seit einigen Jahren gibt es verschiedene Tests, die von verschiedenen Universitäten entwickelt wurden. Du hast die Entwicklung des Spaid - Tests der TiHo Hannover von Anfang an verfolgt. Wie kam es dazu?

An dieser Stelle würde ich gern auf unseren Chaly zurückkommen.

Chaly Rainbow of Colour , 01.09.2007 - 05.03.2021, ( SPAID -tested : N/S )

Wer war Chaly?

Chaly zog in 2007 im Alter von 8 Wochen bei uns ein.

Er wuchs zu einem sehr sportlichen und agilen Hund heran. Chaly war ein horse coat Shar Pei des moderaten Typs ohne übermäßige Faltenbildung und Polsterung. Bis über sein 4. Lebensjahr hinaus schien er absolut gesund.

Alexandra Gabrisch
Charly

Doch dann bekam Chaly seinen ersten Fieberschub, begleitet von einem extrem heißen und geschwollenen Bein. Diese Schübe wiederholten sich innerhalb kürzester Zeit.

Unser 2. Shar Pei mit Fieberschüben! Wir waren in großer Sorge und ich konnte und wollte nicht glauben, dass dies unser Schicksal mit der Rasse Shar Pei sein sollte.

Ende 2012 ergab es sich, dass ich zusammen mit Stefanie Kurz (heute 1. Vorsitzende des 1. Deutschen Shar Pei Clubs) an einer Veranstaltung mit angehenden Veterinärmedizinern der Tierärztlichen Hochschule Hannover teilnahm. Steffi und ich waren im Namen des 1. Deutschen Shar Pei Clubs dort, um den Studierenden über die Rasse Shar Pei zu berichten und ihre Fragen zu beantworten. Im Anschluss fand ein Zusammentreffen mit dem Professor der Genetik, Prof. Distl, statt, mit dem wir uns austauschen konnten. Ich nutzte die Gelegenheit und erzählte ihm ausführlich von Chaly. Der Krankheitsverlauf von Chaly und seine Typbeschreibung weckten damals bei Prof. Distl großes Interesse. Ich fragte ihn direkt, ob es möglich sei, dass Hannover in die Erforschung des Shar Pei Fiebers und Amyloid-Forschung, parallel zu Schweden, den USA und Antagene in Frankreich einsteigen könne.

Nach weiteren Gesprächen und E-Mail-Schriftverkehr teilte uns Prof. Distl mit, dass Hannover mit der Forschung beginnen könne. Hierzu war es erforderlich, dass wir das Blut unserer Hunde und zusätzlich mindestens weitere 50 Proben reinrassiger Shar Pei mit Ahnentafelnachweis zur Verfügung stellen würden. Die sofortige Zurverfügungstellung des Blutes unserer Hunde stellte kein Problem für uns dar. Die Beschaffung von 50 weiteren Blutproben aber schon. Uns war klar und letztendlich auch sehr schnell bewusst, dass wir unter einigen Züchtern wenig Begeisterung und nachvollziehbare Skepsis hervorrufen würden. Deshalb waren wir in erster Linie auf zeitnahe Unterstützung der Privatbesitzer angewiesen. Aber das sollte uns nicht aufhalten. Es gelang tatsächlich mit viel Mühe, Zeit und Aufklärung diese 50 Proben zu beschaffen. Unterstützt wurden wir damals von Melanie Lass und Kathrin Bräuning.

Alexandra Gabrisch

Wir wussten auch, dass diese wenigen Proben nur ein kleiner, anfänglicher Erfolg waren und für eine weitergehende Forschung weitaus mehr Blutproben benötigen werden würden. In dieser Anfangszeit waren wir zunehmender Kritik, Skepsis und Anfeindungen ausgesetzt. Aus menschlicher Sicht eine für mich ungewohnte und teilweise sehr harte Zeit.

Im Anschluss an diese Anfangsphase und ersten Auswertungen beschloss erfreulicher Weise der 1. Deutsche Shar Pei Club durch Zahlung einer beträchtliche Summe an Clubgeldern an die TiHo Hannover die Forschung weiter zu unterstützen. Weitere Züchter und Mitglieder des Clubs nahmen mit ihren Hunden teil. Dies verlieh dem ganzen nach außen einen offizielleren Charakter, zunächst in der deutschen Shar Pei Welt, später auch im Ausland. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich gern an den Austausch und die Zusammenarbeit mit einer Züchterin in Frankeich, Gudrun Bollig, Anfang 2014.
Um eine größere Anzahl von Menschen zu erreichen und die Einsendung der Anzahl von Blutproben nach Hannover und Antagene zu steigern, erfolgten ausführliche und informierende Posts in großen deutschen Shar Pei Foren auf Facebook. Die Formulare zur Teilnahme und Einsendung von Blut wurden den Mitgliedern der Foren zur Verfügung gestellt. Die entsprechenden Seiten der TiHo Hannover und Antagene wurden verlinkt.

Leider war die positive Resonanz damals nicht die, die wir uns erhofft hatten. Unser Wunsch durch Aufklärung eine große Anzahl von Menschen zu erreichen und diese dadurch zu bewegen, an den Forschungen teilzunehmen, wurde erst Jahre später erfüllt.

Alexandra Gabrisch

Erst als abzusehen war, dass der SPAID-Test in Hannover kurz vor der Publikation stand, gab es weitaus mehr Befürworter des Tests. Die Publikation erfolgte im Mai 2017, BMC Genomics - ca. 4,5 Jahre nach Forschungsbeginn. Ich kann nachvollziehen, warum viele eine (bevorstehende) Publikation abwarten wollten, dennoch ist meine Auffassung: es gäbe keine Forschungsergebnisse ohne Zurverfügungstellung von Forschungsmaterial (in unserem Fall Blut), die letztendlich im besten Fall zu einem Ergebnis und Publikation führen. Die Jahre ab Beginn der Forschung der TiHo Hannover bis zur Publikation, waren für mich eine spannende und lehrreiche Zeit, da wir laufend über die neuen Erkenntnisse zu unseren Hunden informiert wurden.

In der Erforschung unserer Rasse hat sich in den letzten 10 Jahren einiges getan. Uns steht inzwischen der CNV-Test ( Cornell, Uppsala), der SPAID- Test ( TiHo Hannover), der POAG/PLL - Test zur Verfügung. Ebenso können wir bei der Auswertung der geriatrischen Blutprofile den Biomarker zur Früherkennung von Nierenproblematiken (SDMA) heranziehen. Der wohl für uns erfolgreichste und aussagekräftigste Test ist ohne Zweifel der Test für POAG/PLL, den wir dem Britischen Kennelclub im Zusammenarbeit mit seinen Züchtern zu verdanken haben.

Leider ist es bislang nicht gelungen, die Entstehung der Amyloidose durch einen Gentest nachweisen zu können.

Alexandra Gabrisch

Ich habe für meine Zucht entschieden, die obigen Tests für meinen Hundebestand durchzuführen und in meine Zuchtpläne mit einzubeziehen. Für mich ist dies eine logische und notwendige Konsequenz aus meinen persönlichen Erfahrungen mit unserer Rasse. Auch die Tatsache, dass ich als erst 12 jähriger Züchter mit wenig Würfen keine umfangreiche und aussagekräftigen Prognosen zu meinen Linien treffen kann, trägt dazu bei.

Den SPAID-Test führe ich bereits bei meinen Welpen seit 2013 durch. Dadurch, dass nahezu alle Welpen aus meinen Verpaarungen getestet sind, konnte ich in meiner Zucht Vergleiche ziehen, z.B. beim Phänotyp, in der gesundheitlichen Entwicklung und des Gesundheitszustandes. Der größte Teil meiner Nachkommen ist ebenfalls HD/ED/POAGL-PLL und PL ausgewertet.

Jährlich lasse ich bei meinen Hunden ein großes geriatrisches Blutprofil erstellen, welches auch den SDMA -Wert und Schilddrüsenwerte enthält. Glücklicherweise machen dies auch viele meiner Welpenbesitzer, so dass wir bereits eine Menge dieser Blutbilder und einzelne Werte im Laufe der Jahre vergleichen konnten.

Ich vermeide Verpaarungen zweier Hunde mit SS und SS, sowie CNV 10 und CNV 10. Wobei mir wichtig ist, dass ich beide Testergebnisse kenne. Denn wie beurteilt man hinsichtlich Spaid eine Mischverpaarung, bei der ein Elternteil Spaid (TiHoHannover) und das andere CNV (SLU, Cornel ) getestet ist? An dieser Stelle ist mir wichtig klar herauszustellen, daß ich nur über meine eigen Zucht und zugrundeliegender Ergebnis meiner Hunde und Welpen urteilen und Vergleiche ziehen kann.

Unsere Zuchthunde sind zudem getestet auf : HD, ED, Übergangswirbel, Patella, Schilddrüse, DNA

Alexandra Gabrisch

Ich bin nicht fixiert auf einzelne Ergebnisse, sondern versuche die Gesamtheit aller Ergebnisse in meine Überlegungen mit einzubeziehen. Hierzu zählen neben den gesundheitlichen Ergebnissen auch Langlebigkeit und ein möglichst geringer Inzuchtkoeffizient. Ich weiß, wenn nur auf wenige Jahre zurück blickend, dass trotz großer Bemühungen möglichst viel Faktoren zu berücksichtigen, die Realität anders aussehen kann und das Überdenken von Neuem beginnt. Aber das ist auch gut so: denn Zucht ist für mich kein Stillstand! Negative Ereignisse und Rückschläge in der Zucht können die persönliche Weiterbildung vorantreiben und vielleicht irgendeinmal von Nutzen sein.

In diesem Sinne eine kleine Anekdote:

Ich bin durch einen unserer Hunde mit einer professionell durchgeführter Goldakkupunktur in Berührung gekommen ( theoretisch und praktisch ). Dies hatte zur Folge, dass sich nach Jahren und positiver schulmedizinischer Bestätigung der Goldakkupunktur durch Röntgenbilder und erneute Gutachterauswertung unseres Hundes nun auch in meinem Knie mit selbigem Akupunktur -Durchführungsverfahren Gold befindet. Beides mit großem Erfolg, sowohl bei unserem Hund, als auch bei mir!! Einziger Unterschied: ich kann die Verbesserungen und Schmerzfreiheit in Worte fassen.

Was war deine persönlich größte Herausforderung mit der Rasse und deren Zucht?

Ich würde hier gern für die Vergangenheit UND Gegenwart sprechen und anstatt den Singular des Wortes Herausforderung den Plural verwenden.

Alexandra Gabrisch

Die Zucht des Shar Pei war seit meinem 1. Wurf eine große Herausforderung und ist es bis heute. Mein grundsätzliches Ziel gesunde Hunde unter Einhaltung des FCI-Standards zu züchten ist hierbei eine der größten Herausforderung.

Bei der Auswahl der Deckrüden, insbesondere aus dem Ausland fühlte ich mich in der Vergangenheit oftmals sehr eingeschränkt. Wir haben in Deutschland viele Zuchtregularien zu beachten, die auch Vorschriften für Auslandsrüden vorsehen. Diese Vorschriften sind teilweise nicht identisch mit den Bedingungen des Landes, in dem der Rüde steht. Vergleicht man die Zuchtvoraussetzungen in vielen Ländern mit Deutschland, wird sehr schnell deutlich, wie groß die Unterschiede der einzelnen Länder sein können.

Ich möchte an dieser Stelle aber klar herausstellen, dass ich grundsätzlich ein Befürworter der kontrollierte Zucht bin, deren Sinn und Zweck es sein sollte, die Gesundheit unserer Rasse zu erhalten bzw. zu verbessern - unter Einhaltung des FCI-Standards. Die kontrollierenden Maßnahmen sollte aber nicht zu einer übermäßigen Einschränkung unseres ohnehin schon kleinen Genpools führen.

Alexandra Gabrisch

Die Suche nach "Shar Pei Mentoren". Mit dem Ausdruck meine ich das Suchen und tatsächliche Finden erfahrender, beratender und unterstützender Züchter oder Kenner der Rasse. Über die Jahre ist es mir leider erst sehr spät gelungen zu Wenigen dieser eine vertrauensvolle Basis aufzubauen, manche sind gerade am entstehen. Diese Begleitung hätte ich mir zu Beginn meiner Zucht oder um einiges eher gewünscht. Ich wünsche jedem Neuzüchter oder Züchter mit wenig Erfahrung einen Mentor dieser Art, der hilft das "Große und Ganze der Shar Pei Zucht" zu verstehen.

Oft hört man das Wort Qualzucht im Zusammenhang mit dem Shar Pei. Ein Thema, dass innerhalb der Shar Pei Zucht und bei Fans der Rasse oft tabuisiert wird.

Wie ist deine persönliche Meinung zu dem Thema? Wie reagierst du, wenn du mit dem Thema konfrontiert wirst?

Bei dem Thema Qualzucht handelt es sich um ein sehr sensibles Thema.

Bei uns in Deutschland nimmt das Thema Qualzucht in den letzen 1,5 Jahre eine immer größer werdende Präsenz in der Politik und in den Medien ein.

Durch neue Gesetze in manchen Bundesländern aus 2020, durch die Überarbeitung und Konkretisierung des Qualzuchtgutachtens in 2021 zum deutschen Tierschutzgesetzt und explizite Nennung der Qualzuchtmerkmale (SHAR PEI: derzeit übermäßige Hautfalten, Entropium), sowie dem Aufbau der Datenbank Quen (Qualzucht-Evidence-Network) bisher in Deutschland, Österreich und Schweiz hat das Thema Qualzucht für mich eine andere Dimension erreicht.

Alexandra Gabrisch

Diese Umstände erfordern aus meiner Sicht eine intensive Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation, weit entfernt von einer Vogel-Strauß-Strategie.

Eine Konfrontation sollte offen und ehrlich, mit einem maximal möglichen Kenntnisstand über diese Problematiken, erfolgen,auch wenn dies erfordert, dass Zuchtstrategien überdacht werden müssen und vorausschauend gehandelt werden muss.

Das Aufzeigen von Problemen in der Zucht, sowie Nachholen von Versäumnissen können dazu beitragen die Situation zu entspannen. Ein Vergleich zu anderen Ländern, die bereits schon aktiv damit konfrontiert waren, Verbesserungen erreicht haben und als Vorbild dienen könnten, ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Einen Ländervergleich, zum Beispiel mit England, Schweden und Österreich habe ich bereits mit Hilfe von Jenny Webb, Anna Thorsjö und dem ÖKV erstellt und beiden Deutschen Clubs vorgelegt. 

Für weitere konkrete Umsetzungen sehe ich die 2 Clubs in Deutschland, den VDH e.V. und uns Züchter gemeinsam in der Verantwortung.

Was sind deine Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft der Rasse?

  • Weiterführung der Amyloidforschung und daraus resultierende Erfolge
  • Gesundheitliche Erhaltung oder Verbesserung unserer Rasse unter Einhaltung des Rassestandards
  • Stärkung der Zusammenarbeit und des Austauschs zwischen Züchtern - auch über die die Landesgrenzen hinaus
  • Respektvoller und wertschätzender Umgang untereinander und Toleranz in Bezug auf die unterschiedlichen Typen dieser Rasse / unterschiedlichen Zuchtziele innerhalb unseres Standards
  • Rechtzeitige Entwicklung von Strategien gegen Qualzuchtvorwürfe zur Erhalt unserer Rasse

 

Alexandra Gabrisch, vielen Dank für dieses Interview.

Liebe Sandra, ich bedanke mich abschließend bei Dir für Dein Interesse an meiner Zucht und Person.

Ich wünsche Dir für Deine Zukunft viel Erfolg bei deinem Zuchtvorhaben, Offenheit gegenüber anderen Züchtern und Meinungen, dich weiterbringende Bekanntschaften und bestenfalls Freunde in der Züchterwelt, die Dich unterstützen, Wissen vermitteln und Dir konstruktiv zur Seite stehen.

Alexandra Gabrisch

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