Stand der Forschung

So besonders der Shar Pei durch seine Falten wirkt, so vieldiskutiert sind auch die Auswirkungen der zugrundeliegenden genetischen Veränderung.

Dabei ist zu erwähnen, dass sich die folgenden gesundheitlichen Daten auf die westlichen, nicht auf die chinesischen Shar Peis beziehen.

 

Genetische Grundlagen

Allen SharPeis gemeinsam ist eine Mutation eines Regulationsgens des HAS2 (Hyaluronsäuresynthetase 2) auf Chromosom 13. Diese Mutation liegt als sogenannte CNV (Copy Number Variation) vor, was bedeutet, dass beim einzelnen Individuum die Anzahl, in der die Mutation vorliegt, variiert. Bei allen Shar Peis liegt sie mindestens zweifach vor, kann aber auch in höherer Anzahl vorhanden sein. Je mehr Kopien vorhanden sind, umso höher ist die Aktivität der HAS2 und umso mehr Hyaluronsäure wird gebildet und als Grundsubstanz ins Gewebe eingebaut. Die Haut wird aufgelockerter, dicker, enthält mehr Wasser und es bilden sich vermehrt Falten und eine charakteristische dicke Schnauze. (1)

Eine weitere Mutation, die beim SharPei gehäuft vorkommt, ist eine missense Mutation im MTBP-Gen, ebenfalls auf Chromosom 13. Diese Mutation hat zur Folge, dass ein Protein, das im Entzündungsstoffwechsel eine Rolle spielt, eine "Fehlfunktion"aufweist. Die betroffenen Hunde erkranken häufig an einer Erkrankung mit erhöhter Entzündungsaktivität (SPAID = Shar Pei Autoinflammatory Disease). (2)

Desweiteren leiden Shar Peis häufiger als andere Rassen unter einem relevanten Vitamin B12 Mangel. Auch hier ist eine genetische Veränderung als Ursache wahrscheinlich, ebenfalls in einer Region auf Chromosom 13. (3)

Einige weitere genetische Veränderungen werden vermutet als Ursachen diverser ebenfalls häufiger auftretender Gesundheitsstörungen.

 

Folgen der genetischen Veränderungen

SharPei AutoInflammatory Disease (SPAID) and Amyloidose

Die SPAID, im allgemeinen Sprachgebrauch auch oft schlicht "SharPei Fieber" genannt, ist wohl die meisterwähnte und gefürchtete beim Shar Pei bekannte Gesundheitsstörung. Hierbei handelt es sich um eine autoentzündliche Erkrankung, vergleichbar dem beim Menschen bekannten Familiären Mittelmeerfieber, die bei ca. 23% der westlichen Shar Peis auftritt. (7)

Von SPAID betroffene Hunde leiden unter Schüben von erhöhter Entzündungsaktivität mit hohem Fieber, die wenige Stunden bis Tage andauern können (im Durchschnitt 12 bis 36 Stunden). Aktivierung von Entzündungsmediatoren treten oft gleichzeitig Gelenk- und Gliederschmerzen mit Schwellungen von Gelenken (häufig des Sprunggelenks) und der Schnauze auf. Auch Bauchschmerzen, Schmerzen beim Atmen und leichte Übelkeit sowie Durchfall können bestehen. Ein Shar Pei mit Fieberschub ist meist deutlich krank und oft nicht einmal in der Lage aufzustehen. Die Symptome entwickeln sich oft sehr plötzlich und rasch, innerhalb von unter einer Stunde. Erste Fieberschübe treten meist vor dem 18. Lebensmonat auf, können in Einzelfällen aber auch beim alten Hund erstmalig beobachtet werden. Die Häufigkeit und Intensität der Fieberschübe variiert sehr stark. Während manche Hunde mit nur einer einzigen Episode im Leben oder auch sehr kurzen flüchtigen Fieberschüben von lediglich einigen Stunden recht unauffällig bleiben, können andere sehr häufig unter diesen Schüben mit starkem Krankheitsgefühl leiden.

Hauptproblem der Erkrankung sind aber noch nicht einmal die Entzündungssymptome oder das Fieber, die die Tiere sehr beeinträchtigen, sondern die damit im Zusammenhang stehende Ablagerung von Eiweisbruchstücken (Amyloid vom Typ AA) im extrazellulärem Raum (zwischen den Zellen), der sogenannten Amyloidose. Durch Einlagerung des Amyloids in den inneren Organen enstehen auf Dauer Organfunktionsstörungen bis hin zum Organversagen. Hierbei ist vor allem die Niere, seltener auch die Leber betroffen. Viele erkrankte Shar Peis sterben zum Teil relativ früh in Folge eines Nieren- seltener eines Leberversagens. (9)

Die Therapie besteht in einer Behandlung der akuten Schübe mit Schmerztherapie und Fiebersenkung. Weiterhin ist eine Dauertherapie mit Colchicin möglich, mit dem Ziel, Schwere und Häufigkeit der Schübe zu reduzieren, und eine Amyloidose zu verhindern. Ein behandlungsbedürftiges Infektgeschehen sollte im akuten Schub selbstverständlich durch Tierärtzliche Untersuchung ausgeschlossen werden.

Eine entsprechende Ernährung und Nahrungsergänzung können zusätzlich unterstützend dazu beitragen, dass die Hyaluronsäureproduktion und die Entzündungsaktivität sich im Rahmen halten. Regelmässige (halbjährliche) veterinärmedizienische Vorstellungen mit Kontrollen der Nierenfunktion, Leberfunktion, Schilddrüsenfunktion, Blutbild, Vitamin B12 sollten auf jeden Fall erfolgen.

Kutane Muzinose

Neben den auffälligen Hautfalten durch die verdickte, fast aufgeschwemmte Haut, kann durch Einlagerung von Hyaluronsäure auch eine Blasenbildung auf der Haut entstehen. Vor allem an der Brust und an den Beinen finden sich zahlreiche kleine Bläschen (sogenannte Muzinbläschen), gefüllt mit einer wasserhellen, fadenziehenden Flüssigkeit, dem sogenannten Muzin. Gelegentlich können diese Bläschen Juckreiz verursachen oder aufreissen, wobei durch Kratzen/Verschmutzung manchmal auch Entzündungen entstehen können. An sich bereiten die Muzinbläschen dem Hund aber keine Beschwerden und stellen überwiegend ein kosmetisches Problem dar.

Die weiche, verdickte Haut mit ihrer fadenbildenden Flüssigkeitsabsonderung führt bei Operationen und Wundversorgungen gelegentlich zu Verwunderung bei Haltern und Tierärzten, ist beim Shar Pei aber ein normales Phänomen.

Hauterkrankungen

Bei starker Faltenbildung und durch eine beim SharPei stärkere Besiedelung mit Hefepilzen können häufiger Hautentzündungen und Ohrenentzündungen entstehen. Auch für einen Befall mit Demodexmilben, eine sebhorrhische oder eine atopische Dermatitis ist der SharPei empfindlicher.

Ein Krankheitsbild, was sich im Zusammenhang mit verschiedensten äusseren Auslösern entwickeln kann, ist eine immunvermittelte neutrophile Vaskulitis. Hierbei kommt es in kürzester Zeit zu ausgedehnten Entzündungen und Nekrosen der Haut mit Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Eine möglichst rasche tierärztliche Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten ist in solchen Fällen erforderlich.

Augenkrankheiten

Ausgeprägte Faltenbildung im Gesichtsbereich kann zu einem Einrollen der Augenlieder nach innen (Entropium) führen. Durch Kratzen der Wimpern kann hierbei die Hornhaut des Auges beschädigt werden. Durch den chronischen Reiz kann die Schädigung bis hin zu tiefen Entzündungen und resultierender Blindheit reichen. Eine möglichst frühe Diagnosestellung und Behandlung ist hier sehr wichtig. Die Therapie reicht von regelmässiger Anwendung von Augensalbe über sogenanntes Tacking beim Welpen (hierbei werden die Lider mittels Hautnähten vorrübergehend gerafft) bis hin zur Korrekturoperation, um das Augenlicht zu erhalten. 

Eine weitere Augenkrankheit, die beim Shar Pei vorkommt ist das Primäre Weitwinkel-Glaukom und Linsenluxation (POAG/PLL). Das primäre Weitwinkel-Glaukom (POAG) ist eine oftmals genetisch bedingte Bindegewebsstörung im Auge. Diese bewirkt, dass das Kammerwasser nicht richtig abfließen kann. Der dadurch steigende Innendruck im Auge belastet den Sehnerv und die Netzhaut, ist für den Hund sehr schmerzhaft und kann letztlich zur Erblindung führen. 

Die Symptome umfassen geweitete Pupillen, rote Augen, trübe Hornhaut und einen erhöhten Augeninnendruck. Bei starker Zunahme des Drucks entstehen große Schmerzen, die zu Fressunlust, Kratzen am Auge, Reiben des Kopfes an Gegenständen und Aggressivität führen können. 
Die Bindegewebsstörung verursacht oftmals auch eine Luxation der Linse im Auge (PLL). 
Die meisten betroffenen Hunde erkranken etwa mit 4-6 Jahren. (8)

Verengte Atemwege

Obwohl der Shar Pei nicht zu den kurznasigen (brachiozephalen) Rassen gehört, leiden einige Shar Pei unter einem ähnlichen Symptomkomplex, der durch eine Verengung der Atemwege durch verdickte Schleimhäute entsteht. Ursächlich ist hier wiederum die vermehrte Hyaluronsäureeinlagerung, die zu einer Aufquellung des Gewebes führt. Bei den betroffenen Hunden führt dies zu einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit, schlechter Hitzetoleranz und einem erhöhten Narkoserisiko, wie bei einem Brachyzephaliesyndrom. In Einzelfällen kann eine operative Korrektur im Bereich der oberen Atemwege notwendig werden.

Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)

Viele Shar Peis leiden unter einer Hypothyreose. Erwähnenswert ist hierbei, dass es sich in den meisten Fällen um eine sonst seltene Sonderform der Schilddrüsenunterfunktion handelt, eine tertiäre Hypothyreose. Hierbei entsteht die Schilddrüsenunterfunktion durch eine indirekte Hemmung der TSH-Ausschüttung durch die erhöhte Hyaluronsäureproduktion. Dadurch bekommt die an sich gesunde Schilddrüse kein Arbeitssignal und produziert zu wenig Hormone. In diesem Fall ist auch bei normalem oder niedrigem TSH-Wert in der Laboruntersuchung bei klinischer Symtpomatik und niedrigem T4-Wert eine Substitution mit Schilddrüsenhormone erforderlich . Symptome können unter anderem sein: Haut- und Fellveränderungen (dünnes, weiches, augebleichtes Fell), Müdigkeit, Lethargie, Reizbarkeit, Unverträglichkeit, Gewichtszunahme, Bein- und Gesichtsödeme, gehäufte Ohrenentzündungen. Auch bei Shar Peis ohne entsprechende Symtpomatik sollte die Schilddrüsenfunktion regelmässig kontrolliert werden, da sich die Unterfunktion oft schleichend entwickelt.

Vitamin B12 Mangel

Aufgrund des beim Shar Pei häufig beobachteten Vitamin B12 Mangels sollte neben den Schilddrüsenwerten und der Nierenfunktion auch dieser Wert regelmässig kontrolliert werden und gegebenenfalls eine Substitution mit Vitamin B12 erfolgen. (3)

Immunglobulin A Mangel

Unter anderem auch Shar Peis weisen häufiger einen erniedrigten IgA Spiegel im Blut auf. Diese Veränderrung im Immunsystem führt bei den betroffenen Hunden zu einer grösseren Anfälligkeit für Atemwegsinfekte und Allergien. (4)

Tumorerkankungen

Shar Peis neigen zu Mastzellvermittelnden Erkrankungen und Mastzelltumoren. Veränderungen in Mastzellstoffwechsel und Aktivität begünstigen Mastzellvermittelte Entzündungsreaktionen der Haut, Allergien und das Auftreten von Mastzelltumoren.

 

Quellenverzeichnis

(1) A novel unstable duplication upstream of HAS2 predisposes to a breed-defining skin phenotype and a periodic fever syndrome in Chinese Shar Pei dogs.
(Olsson et al. PloS Genetics Mar 2011)

(2) Whole genome sequency identifies missense mutation in MTBP in Chinese Shar Pei affected witch autoinflammatory disease (SPAID)
(Metzger J. et al. BMC Genomics 2017)

(3) Association study of Cobalamine deficiency in the Chinese Shar Pei
(Grützner et al. 11/2009 The Journal of Heredity 101)

(4) Genome-wide analysis suggest mechanisms involving early B-Cell development in canine IgA deficiency
(Olsson et al. PloS One. 2015)

(5) Acute febrile neuropath vasculitis of the skin of young Shar Pei dogs
(Malik R. et al. Aust. Vet. J. 2002)

(6) Epidemiological assessment on the risk of canine mast cell tumorbased on the Kiupel two-grade-malignancy classification
(Smiech et al. Acta Vet Scand 2018)

(7) A canine febrile disorder associated with elevated inteleukin-6
(Riva AL et al. Clin Immunol Immunopathol 1992)

(8) Evaluation of ADAMTS17 in Chinese Shar-Pei with primary open-angle glaucoma, primary lens luxation, or both 
Am J Vet Res. 2018 Jan;79(1):98-106.doi: 10.2460/ajvr.79.1.98.

(9) Thorough investigation of a canine autoinflammatory disease (AID) confirms one main risk locus and suggests a modifier locus for amyloidosis 
PLoS One. 2013 Oct 9;8(10):e75242. doi: 10.1371/journal.pone.0075242. eCollection 2013.

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