Die Geld Frage

Was ist ein Welpe wert?

Neulich morgens, beim ersten Kaffee, als meine Hunde noch gemütlich geschlafen haben, ist mir ein Post auf Facebook ins Auge gesprungen. „Kein Profit, keine Welpen“. Als Züchter stößt mir diese Aussage sauer auf, doch wenn ich mich bemühe ihn aus den Augen derer zu sehen, die sich um ausgesetzte, abgegebene, misshandelte, also um unerwünschte Hunde kümmern, dann verstehe ich ihn gut. 

Doch solche Posts landen fast immer beim falschen Adressaten. In diesem Fall bei mir um 6 Uhr früh.

Vor ein paar Tagen habe ich mir meine Ausgaben des letzten Jahres angesehen, die ich in Bezug auf meine Hunde hatte. Ich habe ein eigenes Bankkonto mit dem fast alle Rechnungen für die Hunde bezahlt werden. Und ich glaube niemand will diesen Kontostand sehen. Bisher hatte ich aber auch erst einen Wurf und diesen Welpen behalten wir ja jetzt erstmal. Also das große Geld kam hier noch nicht rein. Aber was ist denn „das grosse Geld“?

Preise

Als ich mich mit der Frage beschäftigt habe, wie viel ich für einen meiner Welpen verlangen soll, hat mich das in wochenlanges Grübeln gestürzt. Als erstes habe ich Preise Schweizer Züchter aller möglichen Rassen vergleichen, denn andere Shar Pei Züchter gibt es hier nicht. Vergleiche mit anderen Ländern machen für mich wenig Sinn, denn ich lebe hier und muss meine Ausgaben hier bestreiten, mit den hier üblichen Preisen. Und diese sind in der Schweiz doppelt bis viermal so hoch wie in den umliegenden Ländern. 

Money
Quelle: Mein Sparschwein

Rassehunde mit FCI Ahnentafel werden in der Schweiz zwischen 1500 und 20.000 Franken verkauft, laut einem Zeitungsartikel von September 2020. Der Preis für einen Chow Chow liegt zwischen 3000 und 9000 Franken. Grundsätzlich gilt wie fast überall, je seltener und exotischer, desto teurer. Hey, dachte ich mir, selten und exotisch sind wir auch, jetzt kann ich also richtig absahnen!

Doch den meisten fehlt dabei sicherlich erst einmal die Logik, mir ging das nicht anders. Sind doch die durchschnittlich laufenden und anfallenden Kosten die gleichen. Impfungen für Welpen kosten für einen Pudel genauso viel wie für einen Chow Chow.  

Und schnell denkt man jetzt: „ Da wollen einige sicherlich nur Profit rausschlagen.“ Und das mag hier und da sogar stimmen, aber eben oft auch nicht. 

Je mehr ich recherchiert habe, desto klarer wurde mir, wie vielschichtig dieses Thema ist. 

Relationen

Bisher habe ich keine abschließende Antwort gefunden, denn am Ende ist es die individuelle Einschätzung eines seriösen Züchters, was ihm sein Arbeitsaufwand wert ist. Wie viel er investiert hat in seine Zucht, denn das ist einer der wichtigsten Punkte. Aber kann man das transparent darstellen? 

Das kann man individuell machen und als Ergebnis würde man feststellen, das einige Züchter sicherlich einen netten Profit machen, andere machen Verluste und bei noch anderen werden zumindest die Kosten gedeckt. 

Lily
Spielender Welpe

Als Käufer möchte man immer gute Qualität zu einem angemessenen Preis kaufen. Und wenn ein Züchter an sich selbst und an die Aufzucht seiner Welpen einen hohen Qualitätsanspruch stellt, dann ist ein höherer Preis sicherlich sehr gerechtfertigt.

Ich habe mit vielen Züchtern in der Welt über ihre Gedanken zu Preisen gesprochen und der überwiegende Konsens ist, das der finanzielle Eigenaufwand plus der geleisteten Arbeitszeit, fast nie im Einklang steht mit dem Preis, für den die Züchter ihre Welpen verkaufen. 

Individuelle Relationen

Und auch innerhalb dieser Gruppe gibt es grosse Unterschiede. Manche Züchter geben ihre Welpen mit 8 oder 9 Wochen ab, andere erst mit 12, was aus Sicht der  Entwicklung des Welpen der beste Zeitpunkt ist wie aktuelle Verhaltensstudien zeigen. Doch diese zusätzlichen 4 Wochen ist die arbeitsintensivste Zeit. Denn vieles muss individuell mit jedem Welpen gelernt und geübt werden. 

Bei vielen älteren Züchtern herrscht noch das Denken vor, das man die Welpen die ersten 14 Tage möglichst alleine mit der Mutter lässt, die wird sich schon kümmern. Und es stimmt, dass die Mutter das in der Regel auch prima macht. Wir wissen heute aber auch, das gerade gezielte positive Frühförderung in den ersten 14 Tagen sehr wichtig für die Entwicklung der Welpen ist. Dann geht der eine Züchter mit seiner Welpenbande auf viele Exkursionen, der andere nicht.

Lily
Welpe macht einen Ausflug in die Stadt

 Beim Shar Pei kommen dann noch Gesundheitstest dazu, die viele Züchter zusätzlich machen, wenn das Ergebnis nicht schon durch die Eltern klar vorgegeben ist. 

Interessanterweise sind es überwiegend die Züchter, die am meisten Arbeitsaufwand leisten, die sich genieren, einen angemessenen Preis zu verlangen. 

Es finden sich Züchter, die Welpen wesentlich teurer verkaufen, wenn diese frei getestet sind von den genetischen Erbkrankheiten ihrer Rasse. Andere wiederum setzten ein optimales Testergebnis voraus mit ihrem regulären Preis und geben Welpen, mit schlechteren Ergebnissen entsprechend günstiger ab. 

Exotische Geldmaschine

Aber was ist mit dem Preisunterschied zwischen den unterschiedlichen Rassen? Warum kostet ein Exot so viel mehr als der Labrador. Da doch Tierarztkosten die gleichen sein sollten. Gehen wir zusätzlich von Züchtern aus, die identischen Arbeitsaufwand betreiben, würde sich auch dort nichts unterschieden. 

Zum einen kommen da sicherlich die an Anzahl und Kosten sehr unterschiedlichen Gesundheitstests zum Tragen, die bei den Eltern und Welpen (hoffentlich) durchgeführt wurden. Ein Faktor mag auch die bei Exoten schwierigere Wurfplanung sein, denn der optimale Deckrüde lebt oft so weit entfernt, das der sehr kostenintensive Weg einer künstlichen Befruchtung eingegangen werden muss und dazu Samen schonmal um die halbe Welt geflogen wird. 

Äpfeln und Birnen

Obst
Quelle: GuteKueche.ch

Am Ende ist es wie Äpfel mit Birnen, mit Orangen und mit Bananen zu vergleichen. Es funktioniert nicht, wenn man mal genauer unter die individuellen Oberflächen schaut. Es gibt die, die viel und die, die wenig Zeit aufwenden, die, die viel und die, die wenig finanziell in ihre Zucht investieren. Die, die Welpen früh und die, die Welpen spät abgeben. 

Es gibt die, die selbstbewusst sind einen angemessenen Preis zu verlangen, und es gibt einen viel grösseren Rest, der sich das nicht traut. 

„Kein Profit, keine Welpen“ also? Das trifft sicherlich nicht auf die Züchter zu, die bewusst und gewissenhaft züchten. 

Vermehrer

Aber was ist mit den Vermehrern und Welpenfarmen? 

Ich habe mich persönlich noch nie mit den effektiven Ausgaben eines Vermehrers beschäftigt. Aber ich kann mir sehr wohl vorstellen, das dort keine Welpen produziert werden würden, gäbe es für sie nicht einen netten Profit, für minimalen Arbeitsaufwand. Doch diese Vermehrer beschäftigen sich sicher nicht mit solchen Kommentaren. Solange der Markt da ist, wird weiter produziert.

Größtenteils sind es jedoch die verantwortungsvollen, sehr bemühten Züchter, die sich oft zu unrecht von solchen Aussagen angegriffen fühlen.

Denn wir lieben unsere Hunde und Welpen!


 

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